Der langsame Tod der Nierenpatient*innen in Gaza

Der langsame Tod der Nierenpatient*innen in Gaza

Ein ungewisses Schicksal: Leben ohne lebensrettende Dialyse

Mehr als ein Jahr nach Beginn des brutalen Angriffs auf Gaza sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) über 48 000 Palästinenserinnen getötet worden – darunter 60 Prozent Kinder und Frauen. Weitere 118 000 Menschen wurden verletzt. Die Zerstörung trifft nicht nur Wohngebäude und Infrastruktur, sondern auch das Gesundheitssystem. Besonders dramatisch ist die Lage für Dialysepatientinnen.

 

Zerbombte Hoffnung: Die Zerstörung der Dialysezentren

Das Bild des zerstörten Dialysezentrums im Nasser Hospital in Khan Younis ist erschütternd. In einem offenen Brief an den UN-Sicherheitsrat schrieb Christos Christou, Präsident von Ärzte ohne Grenzen:

"Israel zeigt eine eklatante Missachtung des Schutzes medizinischer Einrichtungen in Gaza. Wir sehen, wie Krankenhäuser in Leichenhallen und Ruinen verwandelt werden. Diese vermeintlich geschützten Orte werden bombardiert, mit Panzern und Gewehren beschossen, eingekesselt und gestürmt – dabei sterben Patient*innen und medizinisches Personal."

Überlebenskampf ohne Dialyse

In Gaza gibt es mehr als 1.100 Dialysepatient*innen, darunter 38 Kinder. Ihre Behandlung ist lebensnotwendig: Bei Nierenversagen filtert die Dialyse Giftstoffe und überschüssige Flüssigkeit aus dem Blut. Ohne diese Reinigung sammeln sich Giftstoffe im Körper, was innerhalb weniger Tage bis Wochen zu Atemversagen oder Herzstillstand führen kann.

Doch Dialyse ist eine ressourcenintensive Therapie: Sie benötigt spezialisierte Geräte, eine stabile Wasserversorgung, Treibstoff und geschultes medizinisches Personal. Seit Beginn der Angriffe auf Gaza sind all diese Komponenten massiv beeinträchtigt. Die vollständige Blockade von Lebensmitteln, Treibstoff und Wasser verschärft die Situation. Über zwei Millionen Menschen in Gaza leiden unter katastrophalem Hunger, Kinder haben kaum noch Zugang zu sauberem Wasser.

 Wenn Krankenhäuser verstummen

Mehrere Krankenhäuser, darunter das Al-Aqsa-Hospital, mussten ihre Behandlungen einschränken oder einstellen. Ihnen fehlt der Treibstoff für lebenswichtige Maschinen – ein tödliches Risiko für Frühgeborene in Inkubatoren, Intensivpatient*innen und Dialysebedürftige.

Bereits vor dem aktuellen Konflikt war die medizinische Versorgung durch die 16-jährige Blockade massiv eingeschränkt. Nun hat sich die Zahl der Dialysepatientinnen im Al-Aqsa-Hospital seit dem 7. Oktober mehr als verdoppelt. Rund 300 Patientinnen, darunter 30 Kinder, teilen sich nur 24 Dialysegeräte. Die Konsequenz: Die ohnehin knappe Behandlungszeit wurde drastisch gekürzt. Statt der empfohlenen 3,5 Stunden erhalten viele nur noch zwei Stunden Dialyse – oft nur einmal pro Woche statt dreimal.

Schicksale hinter den Zahlen

Ismail Al Tawil, 44 Jahre alt, starb an Nierenversagen. Seine Witwe erzählt, wie sie ihn verzweifelt ins Al-Shifa-Hospital bringen wollte – doch Scharfschützen schossen auf das Krankenhaus. Auch das Nasser-Hospital konnte ihn nicht mehr aufnehmen.

Anssam, 12 Jahre alt, wurde aus Jabaliya vertrieben und blieb 15 Tage ohne Dialyse. In einem Interview sagte sie:

"Ich hoffe, dass dieser Krieg endet und wir wieder glücklich sein können. Früher ging ich dreimal pro Woche zur Dialyse. Jetzt, ohne Filter, kann ich keine Dialyse bekommen. So werde ich sterben. Mein Leben hängt davon ab."

Abed El Rahman Abu Dalfa schrieb vor seinem Tod auf Facebook:

"Es ist mein Recht, dreimal pro Woche vier Stunden Dialyse zu bekommen. Nierenpatient*innen wie ich stehen buchstäblich vor einem langsamen Tod."

Die unsichtbaren Opfer

Viele Menschen sterben nicht durch Bomben oder Kugeln, sondern durch den stillen Zusammenbruch des Gesundheitssystems: Krebspatientinnen ohne Chemotherapie, Diabetikerinnen ohne Insulin, Nierenkranke ohne Dialyse. Die Folgen werden noch jahrelang zu spüren sein.

Unser Schweigen wäre tödlich

Die Einschüchterung von Ärzt*innen, die über die Situation berichten, ist gut dokumentiert. Doch unsere berufliche und moralische Pflicht ist es, das Leben der Schwächsten zu schützen. Wir schließen uns den Vereinten Nationen, der WHO, Ärzte ohne Grenzen und der British Medical Association an und fordern gemeinsam mit Millionen von Menschen weltweit einen sofortigen Waffenstillstand sowie ungehinderte humanitäre Hilfe.

Wir stehen an der Seite der Ärzt*innen in Gaza, die unter unmenschlichen Bedingungen weiterarbeiten. Wir ehren das Vermächtnis derer, die ihr Leben verloren haben, während sie die höchsten Werte unseres Berufsstandes aufrechterhielten.

Jede Spende kann helfen, Medikamente, medizinische Geräte und lebensnotwendige Hilfe bereitzustellen.

Lassen wir diese Menschen nicht allein.

PÄAV e.V. · Dr. Amged Al-Behaissi · Reichenbacherstr. 14 · 33813 Oerlinghausen

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